Philip Bartels, geboren 1978 in Berlin (Ost) und aufgewachsen an der polnischen Grenze auf der Insel Usedom, lebt seit 2002 in der Schweiz, wo er an der Hochschule für Musik und Theater Zürich ein Doppelstudium in Regie bei Stephan Müller und Komposition für Bühne und Film bei André Bellmont absolvierte.
Philip Bartels arbeitet als Komponist und Regisseur im Bereich des zeitgenössischen, experimentellen Musiktheaters. Im Zentrum seiner Arbeit stehen kollektive Prozesse, ungewöhnliche musikalische Konstellationen und die Zusammenarbeit mit Menschen unterschiedlicher Hintergründe. Mit seinem Kollektiv ox&öl entwickelt er Projekte, in denen Inklusion, Diversität und partizipative Arbeitsweisen grundlegende künstlerische Prinzipien sind.
Seit 2010 realisiert er freie Musiktheaterproduktionen, die an etablierten Häusern wie der Tonhalle Zürich, dem KKL Luzern oder dem Schauspielhaus Zürich gezeigt wurden, aber auch an ungewöhnlichen Orten, in Restaurants, Galerien oder Gefängnissen. Die Zusammenarbeit reicht von professionellen Musiker:innen und Schauspieler:innen bis zu Menschen mit physischen oder kognitiven Beeinträchtigungen, Geflüchteten, Senior:innen, Kindern oder jugendlichen Straftätern.
Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponistinnen, mit denen Philip Bartels neue Musiktheaterformen entwickelt. Dazu zählen Uraufführungen wie «Extensions» mit Julie Herndon 2022, «Eight New Songs for a Mad Kingdom» mit Jessie Marino 2023 oder «ohne X und ohne U» von Lara Stanić 2024.
Seit 2021 arbeitet Philip Bartels verstärkt mit gehörlosen Menschen und hat eine intensive Weiterbildung in Gebärdensprache DSGS absolviert. Diese Auseinandersetzung prägt seine künstlerische Praxis nachhaltig und erweitert seine Arbeit um neue Formen von Körperlichkeit, Wahrnehmung und Kommunikation. Aktuell arbeitet er in einem Team mit gehörlosen und hörenden Künstler:innen an einem Stück für die Biennale für neues Musiktheater in München (Premiere Mai 2026).
Philip Bartels’ Regiearbeiten entstehen häufig in Kollaboration mit zeitgenössischen Musikensembles. 2020 betreute er die szenische Einrichtung von Steven Takasugis «Sideshow» im Rahmen des Festivals «Breaking Boundaries» im Zürcher Schiffbau. 2018 inszenierte er im Rahmen von «radikalisiert euch!» das Projekt «Und was erlöst uns heute?» von Patrick Frank in der Gessnerallee Zürich und 2021 erarbeitete er für «DA DA DA» von Anna Papst am Theater Bern die Musikdramaturgie.
Neben seiner Tätigkeit als Regisseur komponiert und arrangiert Philip Bartels für verschiedenste Formationen mit einer Vorliebe für aussergewöhnliche Besetzungen und Konstellationen – wie beispielsweise seine Komposition für verstärktes Clavichord, monophonen Synthesizer und Gitarren-Effektpedale oder sein Arrangement eines barocken Concerto Grosso für Piccolo, Tuba und Streicher. Beim Davos-Festival 2016 kam seine Bearbeitung der Weigl-Oper «Die Schweizer Familie» zur Uraufführung, bei der er die Orchestermusik der Wiener Klassik für ein zehnköpfiges Kammermusikensemble mit zwei Schlagzeugerinnen und präpariertem Klavier umgedeutet hat. 2022 brachte das Münchener Kammerorchester sein Arrangement von Julius Eastmans «Buddha» im Lenbachhaus zur Uraufführung.
Seit 2014 ist Philip Bartels künstlerischer Co-Leiter des Kollektivs ox&öl, das unter anderem gemeinsam mit dem Regisseur Ruedi Häuser¬mann das Kukuruz Quartett für vier Klaviere gegründet und am Zürcher Schauspielhaus das Musiktheaterstück «piano forte» erarbeitet hat. Das Kukuruz Quartett pflegt ein aussergewöhnliches Klavier-Repertoire wie beispielsweise die äusserst radikalen Stücke von Julius Eastman, mit denen das Quartett bei der documenta 14 zu hören war und anschliessend bei Intakt Records eine Einspielung veröffentlicht hat, die von Boston Globe, New York City Jazz Records und Chicago Reader ausgezeichnet wurde.
Mit ox&öl hat Philip Bartels ausserdem viele internationale Projekte entwickelt, war mit «Dissolving Your Ear Plugs» und «Shifting Borders» 2024 und 2025 mehrmals in Georgien und Armenien unterwegs, zeigte «Atravessar o Fogo – crossing the fire» im Centro Cultural de Belém in Lissabon, «step in the same river twice» und «The failed pianist – multidisciplinary performance for five pianists» im Rahmen des Festivals «Música Estranha» in São Paulo.
Die Arbeit von ox&öl wurde vom Kanton Zürich mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet und für den Junge Ohren Preis in Frankfurt nominiert.
Philip Bartels ist als Gastdozent an der Hochschule der Künste Bern, an der Hochschule für Musik Detmold und an der Musikhochschule Lübeck tätig und wird regelmässig als Workshopleiter an internationale Hochschulen eingeladen, darunter Stanford University, Brown University, Manhattan School of Music und California Polytechnic State University. Philip Bartels lebt in Zürich und ist seit 2025 Mitglied des Fachausschusses Theater&Tanz des Aargauer Kuratoriums.
© Philip Bartels | 8050 Zürich